Slow statt Fast Fashion

 

Textilmüll

Ich bin ein großer Fan des Ausmistens! Ich liebe es, mich von alten, ungenutzten Dingen zu trennen und fühle mich freier mit dem so gewonnenen Raum, der dadurch entsteht. Dabei ist es mir enorm wichtig, die aussortierten Dinge nicht zu entsorgen, sondern im “Nutzungskreislauf” zu halten. Ich spende Bücher z. B. an das Tierheim für deren Flohmärkte, stelle gut erhaltene Dekostücke an öffentliche Plätze zum Mitnehmen oder gebe sie im Sozialkaufhaus zum Weiterverkauf ab. Sehr gut erhaltene Textilien biete ich auf Plattformen wie z. B. Vinted zum Verkauf an und kaputte und sehr abgetragene Kleidung entsorge ich. Noch gut erhaltene Kleidungsstücke, die jedoch schwierig zu verkaufen sind  (da z. B. gerade nicht modern), habe ich bisher guten Gewissens in den Altkleidercontainer gegeben. Ich war der Meinung, dass so noch irgendjemand dieses Kleidungsstück tragen wird oder - so steht es auf einigen Containern geschrieben - die Rohstoffe wieder dem Kreislauf zugeführt werden (indem Putzlappen etc. daraus hergestellt werden).

Nachdem ich mich jedoch näher mit der Thematik befasst habe, musste ich feststellen, dass bestenfalls 10 % der Altkleider an Bedürftige weitergegeben oder als Second-Hand-Ware verkauft werden. Fast die Hälfte der gebrauchten Textilien wird als Handelsware in osteuropäische und afrikanische Länder exportiert. Da die Qualität der Stoffe in den letzten Jahren deutlich nachgelassen hat und immer mehr Kunstfasern den Markt schwemmen, ist die Altkleidung für karitative Einrichtungen und Textilrecycler kaum zu gebrauchen.

 

Augen auf beim Kleiderkauf

Seit einiger Zeit rüste ich den Inhalt meines Kleiderschranks um. Ich gebe zu, dass ich bis vor einigen Jahren nicht besonders achtsam beim Kleiderkauf war. Das ein oder andere Sportshirt oder eine Sporthose vom Kaffeerösterstand im Supermarkt sind da schon mal im Einkaufswagen gelandet. Diese Sport- oder Funktionskleidung besteht meist ganz oder zu einem enorm hohen Anteil aus synthetischen, ölbasierten Fasern (z. B. Polyester, Elasthan, Polyamid, Polyacryl), der natürlich nicht biologisch abbaubar ist. Nebenbei landet bei jeder Wäsche der Abrieb der Kunstfasern im Abwasser. Aber was macht man mit dieser abgetragenen Chemiekleidung? Es ist schlichtweg Sondermüll!

Wieso muss Sportkleidung aus Kunstfasern bestehen? Baumwolle nimmt Schweiß doch viel besser auf, als ein Plastikshirt, wirkt temperaturregulierend, ist hautfreundlich, atmungsaktiv, nachhaltig und es gelangen keine Chemiemikrofasern in die Umwelt.

 

Das betrifft natürlich nicht nur Textilien im Kleiderschrank, sondern z. B. auch Gemüse- und Obstnetze aus Kunststoff. Vielleicht habt ihr auch schon mal Kartoffeln in einem Plastiknetz gekauft und dann zu Hause nach dem Aufschneiden oder Aufreißen des Netzes haben sich die kleinen Plastikfasern in der ganzen Küche verteilt. Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, Obst und Gemüse zu kaufen, das auf diese Art verpackt ist.

 

“Weltweit landet jede Sekunde eine LKW-Ladung Textilien auf Deponien oder wird verbrannt.”

In einem Bericht in den Greenpeace Nachrichten (Ausgabe 03/2022) sind Fotos abgebildet von meterhohen Bergen an Altkleidermüll, der sich an den Ufern eines Flusses in Afrika stapelt. Ein Fluss, in dem früher die Menschen geschwommen sind und ihr Trinkwasser bezogen haben und der nun mit Chemikalien verseucht ist. Bei jedem Regen wird ein Teil der Textilien (fast ausschließlich Plastikkleidung) in den Fluss gespült und von dort in den Indischen Ozean. Auf der Mülldeponie landen nicht mehr verwendbare Textilabfälle, die das ganze Gebiet kontaminieren. Eines unserer Umweltprobleme, das einfach in anderen Ländern abgeladen wird.

 

Nachhaltiger Kleiderkonsum

  • Das Angebot bestimmt die Nachfrage: Wenn wir statt Wegwerfkleidung nachhaltige Kleidung aus Naturfasern kaufen, gibt es keinen so großen Markt mehr für billige und unsere Umwelt belastende Plastikkleidung. Wer zusätzlich bei verantwortungsbewussten, nachhaltigen Modelabels kauft, stärkt diese. Anregungen findest du z. B. im Avocadostore.
  • Upcyclen und Second-Hand: Gebrauchte Kleidungsstücke neu kombiniert mit anderen Teilen lassen sich aufwerten, kaputte lassen sich evtl. noch reparieren (gute Schneider können wahre Wunder vollbringen).
  • Besuche eine Kleidertausch-Party oder schau dich in einem Second-Hand-Laden um, denn auch dort kannst du für Abwechslung im Kleiderschrank sorgen und evtl. dein neues Lieblingsteil finden.
  • Deine vorhandene Kleidung hält länger, wenn du sie weniger strapazierst. Verwende ökologische Waschmittel, wasche bei niedrigen Temperaturen und nur wenn wirklich nötig (manchmal reicht auch sorgfältiges Lüften) und trockne die Kleidung an der frischen Luft (anstatt im Trockner).
  • Einmal drüber schlafen: Manchmal lockt das “Schnäppchen-Angebot” und die Vorstellung von sich selbst in dem neuen Teil ist gar zu glückverheißend. Aber brauchst du das wirklich? Prüfe vor dem Kauf, ob du die Neuanschaffung wirklich brauchst.
  • Kein “Event-Shopping”: Statt loszuziehen und für diese eine besondere Gelegenheit (z. B. die Hochzeit einer Freundin, Silvester-Party, etc.) zu shoppen und das Teil womöglich nur ein einziges Mal zu tragen, kannst du dir ein Kleidungsstück ausleihen. Das geht z. B. bei der Kleiderei Hier bekommst du jeden Monat ein Leihpaket mit vier Teilen, die du tragen und dann wieder zurückschicken kannst. Im nächsten Monat kommt ein Paket mit neuen Teilen.

Schau dir gerne auch dieses eindrückliche Video von Greenpeace zu dem Thema an.  

 

Was machst du mit Kleidung, die du nicht mehr trägst? Falls du weitere Inspirationen zu der nachhaltigen Verwertung von Altkleidern hast, kannst du mir gerne schreiben.

 

Herzliche Grüße

Tatjana

 

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